Koordinationstraining für Senioren

(Zeitschrift für natürliches Leben / Ausgabe November 2011)

In den letzten Jahren konnte nachgewiesen werden, dass die Erhaltung der Bewegungskoordination zu den zentralen Bestandteilen künftiger Alterskonzepte gehören muss. Denn eine gute Motorik ist Voraussetzung dafür, dass uns im Alter Lebensqualität und Selbständigkeit erhalten bleiben.

Doch was steckt hinter dem Begriff und worum geht es bei dieser Form des Trainings überhaupt? Diesen beiden Fragen widmen wir uns im ersten Teil des Artikels und im zweiten, werden einige einfache Koordinationsübungen für den Alltag vorgestellt.

Unter dem Begriff Bewegungskoordination, werden alle Prozesse zusammengefasst, die der Regulation von ziel- und zweckgerichteten Bewegung dienen. Damit dies wirklich funktioniert, müssen folgende Systeme aufeinander abgestimmt werden:

  • die Informationsaufnahme (Wahrnehmung),
  • die Informationsverarbeitung (kognitive Prozesse),
  • die Informationsspeicherung (Gedächtnis) und
  • die Informationsabgabe (Bewegungssteuerung)

Um die Komplexität dieser Aufgabenstellung zu verdeutlichen, sind hier alle Fähigkeiten angeführt, die unter dem Begriff Koordination zusammengefasst sind.

Es geht dabei um die Gleichgewichtsfähigkeit, die Antizipationsfähigkeit, die Differenzierungsfähigkeit, die Kopplungsfähigkeit, die Orientierungsfähigkeit, die Reaktionsfähigkeit, die Rhythmusfähigkeit und die Umstellungsfähigkeit.

Bezugnehmend auf die Gleichgewichtsfähigkeit haben Untersuchungen bei Menschen über dem 65.Lebensjahr gezeigt, dass 72% aller Sturzopfer nicht in der Lage waren, 10 sek auf einem Bein zu stehen. Allein diese Information sollte uns zum Nachdenken bringen. Denn ohne die Fähigkeit das Gleichgewicht zu halten, wird es schwierig, Bus- oder Bahn zu fahren, ein Fahrrad zu benützen, schmale oder rutschige Wege zu begehen oder eine Treppe nach oben zu steigen.    

Ähnlich ist es mit der Antizipationsfähigkeit bestellt. Bewegen wir uns in Räumen oder in Freien, ist es wichtig, einen Teil unserer Aufmerksamkeit auf die Umgebung zu lenken. Oft liegen Hindernisse in unserem Weg oder wir sind Teil des Verkehrsnetzes (Straße, Fahrradwege oder Gehwege). Nur wenn wir gefährliche Situationen vorzeitig erkennen, können wir sie vermeiden bzw. ihnen vorbeugen.

Die Differenzierungsfähigkeit schließt nahtlos daran an. Besitzen wir diese Fähigkeit, sind wir in der Lage, unseren Körper kontrolliert  und zielgerichtet durch den Raum zu bewegen. Diese Fähigkeit hilft uns auch den Krafteinsatz festzulegen, der nötig ist, bestimmte Aufgaben im Alltag zu erledigen. Dies wären Arbeiten im Haushalt, der Einkauf im Supermarkt oder einfach nur die Bewältigung von Stiegen.

Durch die Kopplungsfähigkeit können wir Teilkörperbewegungen zu einer zielgerichteten Gesamtkörperbewegung zusammenzufassen, d.h. wir spazieren, können uns unterhalten und gleichzeitig Hindernissen ausweichen, ohne unseren Sprechfluss zu unterbrechen oder wir können einen Einkaufswagen  durch enge Gänge schieben und ihn gleichzeitig mit Lebensmitteln beladen.  

Die Orientierungsfähigkeit hilft uns bei der schnellen genauen Orientierung in unterschiedlich gearteten Räumen, d.h. sie unterstützt uns, wenn wir mit dem Auto oder dem Fahrrad unterwegs sind oder auch wenn wir Gehwege benutzen.

Die Reaktionsfähigkeit versetzt uns in die Lage, schnell und gezielt auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren: ein Fahrradfahrer kommt plötzlich um eine Ecke; es fällt etwas von einem Tisch - alles Dinge die uns überall und jederzeit passieren können.

Die Rhythmusfähigkeit spielt bei allen zyklischen (Gehen) und azyklischen (Korbwurf) Bewegungen eine große Rolle. Bei älteren Menschen, die das Schwimmen erlernen wollen, ist es wichtig, dass die Abstimmung der Arm-Beinbewegung mit dem Atem passt.

Mit Hilfe der Umstellungsfähigkeit können wir uns an neue Gegebenheiten und Situationen anzupassen - wir gehen auf einem erdigen Fußweg, kommen in einen Regenschauer; der Weg, den wir sonst als sicher kennen, ist plötzlich rutschig; wir passen unser Gehtempo dem Untergrund an oder sind in der Lage eine sichere Alternativroute zu wählen.

All diese Beispiele und Erklärungen sollen aufzeigen, wie wichtig es im Alter ist, regelmäßig koordinatives Training zu betreiben.

Wer jetzt denkt, na dafür bin ich aber schon zu alt, dem sei gesagt, es gibt einige Untersuchungen, die ganz klar belegen, dass man zwar im Alter kein Koordinationsprofi mehr werden kann, es aber möglich ist, seine Fähigkeiten deutlich zu verbessern, um sich so, eine neue Form der Selbständigkeit zu erschließen.

Um den theoretischen Pfad zu verlassen, finden sie hier noch eine Übung, die sie sehr leicht im Alltag integrieren können:

Übung zur Verbesserung der Fingerkoordination

Koordinationstraining

aufrecht Stehen oder aufrecht Sitzen; die Arme auf Schultergürtelhöhe anheben; die Finger sind gestreckt und gespreizt; die Finger vom Daumen beginnend bis zum kleinen Finger bewusst einrollen. Dann vom kleinen Finger beginnend, bis zum Daumen wieder ganz bewusst öffnen.

Zusatz: eine Hand ist zur Faust geschlossen, die andere geöffnet; jetzt die Finger gegengleich bewegen, auf der einen Seite beginnt der Daumen, auf der anderen der kleine Finger.

Sie werden sehen, ist alles nicht so einfach, wie man glaubt. Wer mehr zum Thema Koordination wissen möchte, kann sich an eines der nachfolgenden Bücher halten, oder sich eine Gruppe suchen, die sich diesem Thema widmet.

Ich schließe heute mit den Worten „Nur wer rastet, der rostet“.

Sportbiologie J. Weineck Perimed Verlag
Optimales Training J. Weineck Perimed Verlag
Sport für Ältere H. Meusel Schattauer Verlag
Gymnastik, Spiel und Sport für Senioren Schwäbischer Turnerbund Schorndorf Verlag
Seniorensport Krichner/Rohm/Wittemann Meyer&Meyer Verlag
Koordinationstraining für Senioren Schaller / Werz Meyer&Meyer Verlag
1013 Spiel und Übungsformen für Senioren Stechling / Schneider Schorndorf Verlag

Mag. Heinz Peter Steiner / Rofanweg 22 / A- 6212 Maurach am Achensee / www.hpsteiner.at / info@hpsteiner.at
Sportwissenschaftlicher Berater, Mentaltrainer, Personaltrainer, Lehrer für stilles und bewegtes Qi Gong, Entspannungstrainer

Klientenfeedback
Rahmen

Klientenfeedback

Heinz Peter Steiner | sportwissenschaftlicher Berater und Personal Trainer | Rofanstrasse 22 | Top 1 | A-6212 Maurach am Achensee | Fon 0043 / 676 / 6129562