Sport und Immunsystem

(Zeitschrift für natürliches Leben / Ausgabe Dezember 2010)

Unser Immunsystem ist ein komplexes System zur Abwehr fremder Substanzen (Antigene) und zur Vernichtung fehlerhafter Zellen. Solange wir es nicht schwächen, sollte es in der Lage sein, mit Bakterien, Viren, Entzündungen oder täglich auftretenden Tumorzellen fertig zu werden.

Wir besitzen ein angeborenen Immunsystem, das für die unspezifische Abwehr gegen Fremdkörper zuständig ist und ein erworbenes Immunsystem (auch adaptives Immunsystem genannt), das für spezifische Abwehrvorgänge verantwortlich ist.

Das angeborene Immunsystem bekämpft Infektionserreger, ohne dass der Organismus vorher mit dem Erreger Kontakt hatte. Zirka 90% aller Infektionen werden durch das angeborene Immunsystem erkannt. Die Aufgaben des angeborenen Immunsystems werden von neutrophilen Granulozyten und Monocyten /Makrophagen abgedeckt.

Neutrophile Granulozyten werden durch spezielle Botenstoffe aktiviert und wandern aus den Blutgefäßen in das betroffene Gewebe ein. Dort vernichten sie Krankheitserreger durch Phagozytose (= Aufnahme fester Partikel - z. B. Gewebetrümmer, Fremdkörper, Mikroorganismen - in das Zellinnere von Makrophagen mit intrazellulärem Abbau)

Makrophagen (Riesenfresszellen) halten sich im Gewebe auf. Sie erkennen und fressen in das Gewebe eingedrungene Erreger.

Beim erworbenen Immunsystem kommen die Lymphozyten (= spezielle weiße Blutkörperchen) zum Einsatz. Diese werden in bestimmten Abschnitten des lymphatischen Systems zu B- und T-Zellen umgewandelt.

Die T-Zellen werden im Thymus (= spezielle Drüse die sich unter dem oberen Brustbeinbereich befindet) gebildet und sind in der Lage spezifische Antigene zu erkennen. Solange sie normal reagieren, ist für unser Immunsystem alles in Ordnung. Liegt aber eine Überreaktion dieser Zellen vor, werden gesunde körpereigene Zellen angegriffen und es können so Autoimmunerkrankungen (Rheuma, Multiple Sklerose oder Diabetes Typ 1) ausgelöst werden.

B-Zellen reifen im Knochenmark und erreichen ihre volle Funktionsfähigkeit in den Lymphknoten und in der Milz. Sei werden mit Erkennungsmarkern ausgestattet, um Antigene zu erkennen. Als Plasmazellen wandern sie dann zum Ort der Infektion, um dort die Fremdstoffe zu bekämpfen.

Unter den B-Zellen gibt es einige „auserwählte“ Zellen. Die einen bleiben als Gedächtniszellen zurück, damit im Falle eines wiederholten Angriffs schneller reagiert werden kann und die anderen werden als Zellen der dritten Population direkt als Antikörper gegen Antigene eingesetzt.

Als zusätzliches Abwehrsystem verfügt der Mensch über ein Komplementsystem. Dabei kommen Enzyme (= große Eiweißmoleküle) zum Einsatz. Diese sind dafür verantwortlich, dass Eindringlinge (Antigene) mit einer dünnen Eiweißschicht überzogen werden. Damit können sie von Fresszellen leichter erkannt und vernichtet werden.

Sind all diese System voll funktionsfähig wird es einem Eindringling fast unmöglich gemacht, eine Krankheit auszulösen.

Doch leider haben in den letzten Jahrzehnten viele Veränderungen in unserem Leben dazu geführt, dass unser Immunsystem geschwächt wurde:

  • falsche Ernährung, bei der der Körper, nur noch unzureichend mit den Nährstoffen versorgt wird, die für ein voll funktionsfähiges Immunsystem nötig sind
  • übertriebene Bewegung kann unser Immunsystem schwächen. Durch zuviel Bewegung kann unser System soweit gestört werden, dass manche unserer Abwehrzellen im Rahmen ihrer Arbeitsausführung behindert werden und andere wiederum, wie die freien Sauerstoffmoleküle, ändern ihre Funktion und arbeiten dann gegen das eigene System.
  • fehlende Bewegung führt dazu, dass unser System nur noch träge auf Infektionen reagiert und wir immer häufiger an viralen Infekten erkranken oder wenn wir einmal krank sind, doppelt solange brauchen, bis wir wieder gesund sind.
  • Zudem sinkt unsere Toleranzgrenze rund um das Thema Stress. Gesunder Eustress wandelt sich immer früher in ungesunden Distress.

Distress stört die Funktion unseres Gehirns. Genauer gesagt die des Hypo-thalamus (= ein spezieller Teil des Zwischenhirns), der für die Aufrechterhaltung des biologischen Gleichgewichts im Körper zuständig ist. Bei fehlerhaftem Funktionieren wird oft zuviel Adrenalin ausgeschüttet, wodurch die Rezeptoren unserer Makrophagen blockiert werden können. Sie sind dann nicht mehr in der Lage, schnell und effizient auf eingedrungene Keime zu reagieren. Damit steigt auch hier das Risiko, dass sich Krankheiten im Körper ausbreiten können, um ein vielfaches an.

Dies sind nur einige wenige Punkte, wie unser Immunsystem geschwächt werden kann. Wir wollen uns nun aber der Möglichkeit zuwenden, wie wir über ein gesundes Maß an Bewegung unser System stützen und stärken können.

Für eine gesunde Bewegung ist es nicht unbedingt nötig, im Vorfeld einen Arzt zu konsulitieren. Bei vielen Menschen würde es schon ausreichen, wenn sie drei bis viermal in der Woche einen 30 minütigen Spaziergang an der frischen Luft machen würden. Dem Körper würde dadurch frischer Sauerstoff zugeführt werden und das Immunsystem würde durch die „kalte und frische“ Luft gefordert und nicht wie es momentan üblich ist, durch überhitzte Räume verweichlicht werden. Diese Spaziergänge würden zudem die Verdauung anregen und der Körper würde über die größeren Stuhlmengen wesentlich mehr Giftstoffe ausscheiden als sonst.

Für diejenigen die aber nicht nur an die frische Luft wollen, sondern ihr Kreislauf-system und ihren Bewegungsapparat kräftigen wollen, lohnt es sich im Vorfeld einer sportärztliche Untersuchung zu unterziehen.

Über diese Untersuchung lassen sich die Belastungsreize beim sportlichen Training besser regulieren zu können. Im Rahmen eines Belastungstests kann herausgefunden werden, wie intensiv darf ich meinen Körper bewegen, um entweder die Regeneration zu unterstützen oder die Leistungsfähigkeit meines Körpers zu verbessern.

Regeneratives Training ist wichtig für Zeiträume in denen man beruflichem Stress ausgesetzt ist oder man intensive Trainingseinheiten hinter sich hat. Denn da ist unser Körper anfälliger gegenüber Krankheiten und da wäre es gut, ihn im Rahmen seiner Reparaturarbeiten zu unterstützen. Mikrostoffe können bei einem richtig dosierten Training rascher an die jeweiligen Zielorte transportiert werden und es wird verhindert, dass Viren unter Umständen in den Herzmuskel gelangen können, was sehr schwere Krankheitsbilder zur Folge haben kann.

Ein wohl dosiertes Aufbautraining steigert die Blutmenge die unserem Körper zur Verfügung steht und somit die Anzahl bestimmter Blut- und Abwehrzellen, wodurch der Körper noch schneller und effizienter mit Fremdstoffen umgehen kann.

Es sei hier ganz klar darauf, dass es nötig ist, sich zwei- bis dreimal pro Woche 30 – 60 Minuten zu bewegen, um diese Ergebnisse zu erzielen.

Abschließend noch ein paar Daten von Krebspatienten des Kuangan – Men – Krankenhaus in Peking, die sich während ihrer normalen medizinischen Behandlung einem täglichen Bewegungsprogramm von 2x 60 min unterzogen haben.

Bewegungsgruppe Kontrollgruppe
Normalisierte Leberwerte 20,62% 6,67%
Phagozytose Werte (Geschwindigkeit mit der Fremdzellen im Körper angegriffen und vernichtet werden) 12,31% Zu 7,87% Ab
Wiedergewonnene Kraft 81,7% 10%
Regelmäßiger Stuhlgang 33% 6%


Allein diese wenigen Werte sollten schon ausreichen, auch sie dazu zu bringen, Bewegung als wichtigen Teil ihres Lebens zu integrieren.

Literaturhinweise:
Sportphysiologie Horst De Marees ISBN: 3-89001-010-5
Sport und Immunsystem Holger Gabriel ISBN: 3-7780-8330-9
Gesund durch Sport Josef Beuth ISBN: 978-3-8304-2299-0
Starkes Immunsystem durch Sport Thorsten Dargatz ISBN: 3-7679-0608-2
Die neuen Gesundmacher – Antioxidantien Dr. Kenneth Cooper ISBN: 3-405-14762-X

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