Zen-Gymnastik – auf den Spuren der Shaolin!!!

(Zeitschrift für natürliches Leben / Ausgabe Oktober 2010)

Die Shaolin Mönche sind den meisten Menschen ein Begriff, doch von der Zen-Gymnastik, die ein Teil der traditionellen Überlieferung ist, haben die wenigsten gehört.

Darum gibt es für alle Leser und Leserinnen eine kleine Einführung in das Wesen des Zen Buddhismus und in das, von den Shaolin Mönchen entwickelte Gesund-heitsprogramms

Zengymnastik

Der Zen Buddhismus wie er heute gekannt wird, hat eine lange und vielfältige Entstehungsgeschichte hinter sich. Er wurde über zwei Jahrtausende von den unterschiedlichsten geistigen, religiösen und kulturellen Traditionen Asiens geprägt und immer wieder verändert.

Der erste Fixpunkt des Zen ist die Geburt Siddharta Gautamas um 563 v. Chr., des späteren Religionsstifters Buddha Shakyamuni, im heutigen Nepal. Ein zweiter seine Erleuchtung 35 Jahre später im indischen Bodh-Gaya unter dem berühmten Feigen-baum.

Shakyamuni gründete im nordindischen Magadha ein Kloster und aus seiner Lehre entwickelten sich später zwei Hauptrichtungen des Zen: das Hinayana und das Mahayana.

  • Das Hinayana ist die orthodoxe Form des Buddhismus und die wesentlich ältere Schule. Das Ziel der Hinayana Buddhisten ist es, aus eigener Kraft aus dem Kreislauf der Wiedergeburten befreit zu werden, um das Nirvana (=Zustand, in dem kein Leid mehr existiert; kann sowohl Erleuchtung als auch Tod, das voll-kommenen Erlöschen bedeuten) zu erreichen
  • Anders als dem Hinayana liegt dem Mahayana das Schicksal aller Menschen am Herzen. Das Ideal ist der Bodhisattva (=das Erleuchtungswesen). Das Ziel ist hier ebenfalls das Nirvana, aber das wird erst angestrebt, wenn alle Wesen aus dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten erlöst sind. Der Mahayana Buddhismus ist flexibler und weniger streng und hat im Zuge seiner Ausbreitung über Mittel- und Westasien viele regionaltypische kulturelle, geistige und religiöse Einflüsse aufgenommen.

    Aus dem Mahayana entwickelte sich der tibetanische Buddhismus. Charak-teristisch für diese Form sind Elemente der einheimischen, auf schamanistische Traditionen zurückgehenden Bön Religionen wie Totenzeremonien, Orakel, Mysterienspiele sowie Mantras wie das berühmte „OM MANI PADME HUM“, (Juwelen-Lotus – Mantra des Mitgefühls) dessen Rezitation den Wunsch nach Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten ausdrückt.

Dies als kleiner Überblick zur Entwicklung des Zen Buddhismus. Da dieses Thema aber so weit ist und den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, wenden wir uns jetzt wieder der Zen-Gymnastik zu.

Viele Suchende erreichten so wie Siddharta Gautama den Zustand der Erleuchtung. Einer davon war Bodhidharma, der 28.Patriarch der indischen Lehre des Zen, der um 520 per Schiff nach China reiste.

Er fand in Nordchina im SHAO – LIN Kloster eine neue Heimat und wurde dort zum ersten chinesischen Patriarchen des Zen.

Bodhidharma erkannte, dass es neben der Suche nach der Erleuchtung wichtig ist, einen gesunden Körper zu bewahren und aus diesem Verständnis heraus, ent-wickelte er die Zen-Gymnastik – eine Mischung aus Yoga, Qi Gong und Tai Chi Übungen.

Dabei kommen neben stillen und ruhigen Übungen auch bewegte zum Einsatz.

Bei den stillen Übungen geht es in erster Linie um eine Beruhigung des Atems und einer Leerung des Geistes zur verbesserten Wahrung der Energiestrukturen im Körper. Bei den bewegten Übungen um eine Verbesserung der Mobilität des Bewe-gungsapparates durch Kräftigungs-, Gleichgewichts- und Koordinationsübungen.

Die Übungen werden nach bestimmten Übungsprinzipien praktiziert:

  • die Atmung ist wichtiger als die Bewegungsausführung. Jeder hat die Aufgabe seinen eigenen natürlichen Atemrhythmus zu finden und die Bewegungsausführung darauf abzustimmen
  • langsame und bewusste Bewegungsausführung, um eine verbesserte Körperwahrnehmung zu erreichen.
  • re / li im Vergleich und die schwächere Seite verstärkt üben
  • es wird kein Takt vorgegeben und es gibt keine fixen Wiederholungszahlen

D.h. Über eine Verbesserung der Körperwahrnehmung wird man in die Lage ver-setzt, Störquellen im Körper früher zu erkennen. So kann man ihnen entgegenwirken, bevor daraus Krankheiten (z.B. Muskelverspannungen → Migräne) entstehen.

Da mir klar ist, wie schwierig es, ist bewegte Übungen über Bilder zu vermitteln, werde ich ihnen im Abschluss noch einige Atemübungen zum Nachüben vorstellen:

Bei allen Übungen sollte, wenn möglich, über die Nase ein- und auch wieder ausgeatmet werden. Der Atem sollte in den Oberbauch fließen und die Bauchdecke beim Einatmen nach Außen gewölbt und beim Ausatmen nach Innen gezogen werden.

UE 1: während des Einatmens auf das Ruhigwerden des Geistes achten und bei der Ausatmung auf ein Lockerlassen der Muskulatur. Dies ist eine Übung für Anfänger

UE 2: Verstärken kann man diese Übung, indem man beim Einatmen an das Wort „RUHIG“ und beim Ausatmen an das Wort „ENTSPANNT“ denkt.

UE 3: Konzentration auf Hui Yin – Stelle zwischen Genitalien und After; ca. 3 cm nach innen. Dies ist der Dammpunkt, der tiefste Yin Punkt des Rumpfes. Die Aktivierung dieses Punktes soll die Verbindung zum Yin der Erde herstellen. Die Übung wirkt beruhigend.

UE 4: Konzentration auf Steißbein – suche einen Bereich in der Region des Steißbeins (Größe eines Tischtennisballes). Dies ist der Zugangsbereich zum Rückenmark und die Übung soll das Qi im Inneren in Bewegung setzen. Während des Übens ab und an mit der Aufmerksamkeit zu Hui Yin wechseln.

UE 5: Geistige Konzentration auf das untere Dantian – im Unterbauch, die Verbindung zwischen Hui Yin und ein Bereich des Steißbeins [Größe eines Tischtennisballes] und darüber ein gleichseitiges Dreieck vorstellen. An der Spitze des Dreiecks liegt das untere Dantian. Diese Übung dient der Anreicherung von neuem Qi und fördert dessen gleichmäßige Zirkulation.

Es gibt für diese Übungen keine fixe Übungsdauer. Jeder übt nach dem Lustprinzip. Doch für eine optimierte Wirkung ist es sicher nötig, regelmäßig zu üben, damit sich die Wirkung auch dauerhaft einstellen kann.

Mit den Worten eines Zen Meisters schließe ich hier: Eine der einzigartigen Lehren des Zen ist der Hinweis auf die Unzulänglichkeit von Worten und auf den Wert konkreter Erfahrungen.

Literaturhinweise:
Die große Befreiung Daisetz T. Suzuki ISBN: 3-502-61157-2
Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft Sun Tsu ISBN: 3-492-23330-9
Chinesische Heilgeheimnisse Jennifer Harper ISBN: 3-404-70134-8
Gesundheit und Fitness aus dem Reich der Mitte Edward G. Chang ISBN: 3-502-67097-8
Das große O.W.Barth Buch des Zen Oliver Bottini ISBN: 3-502-61104-1
Zen Gymnastik Karin Burschik ISBN: 3-332-01850-7

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